Gefechtsschießen mit Flak

(Spiegelbildschießen mit  57mm Flak S-60 und ZSU23-4)

Beschreibung des Spiegelbildschießens
(zusammengestellt aus Beiträgen von Andreas Deperade, Ralf Weyda und Siegfried Kliesch)

Schema: Ralf Weyda

Die Spiegelbildebene war eine genau definierte Linie im Bezug ihres Seitenwinkels auf die Nord-Süd-Achse. Das heißt, die waren alle so um die 15-00 +- x weil ja die Ostseeküste dort im wesentlichen in West-Ost-Richtung verläuft.

KOPA, POS und jedes schießende Geschütz standen mit ihrem Mittelpunkt genau auf- u n d mit ihrer Längsachse genau in der definierten Richtung der Spiegelbildebene. Zur Orientierung aller Beteiligten war auf der Spiegelbildebene ein Draht gespannt, anhand dessen sich die schießenden Geschütze ausrichten konnten. Die Fla-SFL hatten vorn und hinten an der Wanne eine Markierung, die genau über dem gespannten Draht sein mußte, damit gewährleistet war, daß die SFL mit ihrer Längsachse genau auf und in Richtung der Spiegelbildebene stand. (wissenschaft)

Shilkas auf der Spiegelbildebene - ganz links das KOPA Gebäude 
Foto aus MTH Flakartillerie v. K.H. Otto, Militärverlag der DDR 1987)

Meist wussten wir schon vor der Aufgabenstellung "Nächster Anflug..." vom LTLA, dass da was im Anflug war, ARE-80 sei Dank!

Ich glaube, als BC habe ich die Aufgabenstellung auch so wörtlich an die Fla-SFL weitergegeben, ergänzt durch "Wolga 123 - Sektorsuche, Seitenwinkel 15-00! Ziel suchen!" Wobei ich die Anrede "Wolga" von der OHS übernommen habe, hat mir nämlich so gut gefallen. In diesem Fall war auch die Sektorsuche (also ohne Rundsicht) angemessen, denn die Anflugrichtung war beim Prüfungsgefechtsschießen ja bekannt. 

Sobald eine Fla-SFL das Ziel aufgefaßt und in der AZB (automatische Zielbegleitung) hatte, meldete der betreffende Kommandant "Wolga 1 - Ziel aufgefasst!".
Mit dem Kommando des BC "Wolga 1 - Zielzuweisung!" las der OFO die Zielzuweisung für die anderen Fla-SFL nach dem Muster Seitenwinkel-Höhenwinkel-Entfernung. Dabei lag in der Kürze die Würze, also hörte sich das so an: "14-50! 1-00! 12! (totschka)

Richtantriebe konnten ab dem Zeitpunkt zugeschaltet werden, wenn die Maschine in den Sektor flog , denn sonst hätte Mister Siegfried Otto (Anm. Sicherheitsoffizier) ja drücken müssen ( Waffen außerhalb ...) weil er ja anfangs nicht wußte, ob die Besatzungen an irgendeinem Schalter fummeln , erst mit dem "weit über den Warschauer Vertrag bekannten Neuerervorschlag" von einem damals Obtln K aus WFS ( die sogenannte Rundumleuchte) haben die SO optisch erkannt, wann der "Oberkommandant" in der Schilka die Schießstromkreise aktiviert hatte.

Der FSP hat übrigens bei Einflug in den Sektor "scharfer Zielflug " als Kommando auch für mich gegeben ..und dabei die Lampe am KOPA geschaltet ... der OORFE hat dann das Kdo " scharfer ZF " an den LTLA weitergereicht ... alles mit Tarnnamen , auch über Kabel ...(florian)

Jetzt meldeten die Kommandanten der anderen Fla-SFL ebenfalls "Ziel aufgefasst!" Wurde das Ziel stabil begleitet, kam das Kommando "Ausgang Rechengerät zuschalten!" Hier bin ich aber beim zeitlichen Ablauf unsicher, sinnvoll ist es aber an dieser Stelle, damit die Richtantriebe im Moment der Feuerführung annähernd ruckelfrei laufen.

Das war der Moment, sich nach der blauen Rundumleuchte am Gefechtsstand umzusehen und auf das Kommando "Feuerlaubnis!" vom LTLA zu warten. Kam das, erhielt der Kommandant der ausgewählten Schilka die Feuererlaubnis. Wenn ich richtig liege, wurden erst jetzt die Waffen geladen.
Der Kommandant feuerte, wenn die Skalen Vx, Vy und Vh am Rechengerät schön ruhig standen und die Lampe "Schusswerte vorhanden" aufleuchtete.

Um mit dem begrenzten Munitionsvorrat auch mindestens drei Feuerstöße hinzubekommen, bediente man sich einer besonderen Technik. Der Kommandant legte die Abfeuerungspistole in die linke Hand (sofern er Rechtshänder war), schaltete die Waffenkühlung ein und hieb mit dem Zeigefinger der rechten Hand kurz gegen den Abzug. Damit bestand bei geübten Kommandanten ein kurzer Feuerstoß aus 3-4 Granatpatronen.Es war oft so, dass vier, manchmal fünf Feuerstöße abgegeben wurden, was die Chance, drei davon im 10er zu haben, erhöhte.

Nach erfolgter Bekämpfung des Ziels kam das Kommando "Halt! Feuer Halt! Feuerverbot!"
Da es der Ablaufplan meist vorsah, dass eine ganze Reihe von Aufgaben geschossen wurde (es musste ja jede Fla-SFL mindestens einmal schießen) war die Munition für mehrere Schießaufgaben hintereinander gegurtet, nur getrennt durch ein leeres Gurtglied. Dass heißt, der Munitionsverbrauch konnte nicht überschritten werden und die Waffen waren für die nächste Aufgabe gleich wieder unterladen. Da jede Waffe über drei Pyropatronen verfügte, konnte eine Fla-SFL theoretisch so drei Schießaufgaben hintereinander erfüllen, ohne dass die Besatzung den Kampfraum verlassen musste.

Nach erfolgter Feuerführung wurden die Feuerpausenwerte wieder eingenommen, das heißt, "Ausgang Rechengerät" wurde wieder ausgeschaltet und die Waffen zeigten wieder in Richtung See.

Erlebnisbericht zum Spiegelbildschießen von Ralf Weyda:

Mir ist es als BC mal passiert, dass eine Schießaufgabe mit der Note 5 bewertet wurde, obwohl wir einen Feuerstoß im 10er hatten. Allerdings war das Flugzeug auch darin.

Der Pilot hielt seinen Kurs nicht exakt ein und kam der Spielgelbildebene immer näher. Das hat erst keiner gemerkt. Sehen konnten wir nichts, es war ein Nachtschießen. Das Ziel war durch alle 4 Fla-SFL aufgefasst und wurde automatisch begleitet. Die Feuererlaubnis kam in Form der blauen Rundumleuchte am Gefechtsstand und der KOPA sowie über Funk. Ich gab der festgelegten Fla-SFL das Feuerkommando. Allerdings ging entweder genau in diesem Moment oder kurz vorher das Blaulicht wieder aus.
Fakt ist, dass ich im Moment des Feuerkommandos nicht noch mal zum Gefechtsstand sah...
Als die Fla-SFL das Feuer eröffnete, kam das Feuerverbot vom L-TLA über Funk. Zu spät. Als der Pilot die Leuchtspuren auf sich zufliegen sah, schob er den Nachbrenner rein und stieg senkrecht nach oben. Da war er faktisch auf der Spiegelbildebene.

Der Verstoß gegen die Sicherheitsbestimmungen wurde mit der Note 5 bewertet, klar. Als BC fing ich den Anpfiff, auch klar. Dass ich bei Tag die Bewegung der Antennen gesehen hätte und die Kursabweichung des Zieldarstellers bemerkt hätte ist nicht klar, aber wahrscheinlich.
Die Übermittlung der Luftlage über das ASPD meines PU-12 hinkte den Ereignissen hinterher. Der Flieger war einfach schneller als die Führungsgruppe des L-TLA.
Unklar für mich war an der Sache, dass 4 Kommandanten und 4 Oberfunkorter an ihren Sichtgeräten diesen Kurs in Richtung Spiegelbildebene nicht erkannten. Sie konnten es sich selbst nicht erklären. Wahrscheinlich war es das Jagdfieber...
Der Ausbildungsstand war gut, der ZF Unterleutnant im seinem letzten Jahr, sein Stellvertreter Oberfeldwebel und seit einigen Jahren mit der Schilka "verwachsen"... Wir haben unsere Schlussfolgerungen daraus gezogen und bei der Ausbildung einfließen lassen. Am meisten waren wir jedoch froh, dass nichts passiert ist und wir den armen Kerl nicht runtergeholt haben.

www.flak11.de, März 2006